Der deutsche Glücksspielmarkt – Umsätze, Verluste der Glücksspieler*innen und staatliche Einnahmen

Vorbemerkung

Die in diesem Beitrag vorgestellten Zahlen beziehen sich überwiegend auf das Jahr 2019. Es liegen zwar bereits Zahlen für das Jahr 2020 vor. Diese sind jedoch aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen zeitweiligen Schließung von Glücksspielstätten nur bedingt aussagekräftig.

Umsätze auf dem deutschen Glücksspielmarkt

Der deutsche Glücksspielmarkt ist viele Milliarden schwer. Im Jahr 2019 lag der Gesamtumsatz der legalen Glücksspielangebote laut Beitrag von Meyer (2021) bei 44,23 Mrd. €.1 Davon entfiel mit 25,76 Mrd. € der Großteil auf Geldspielgeräte in Spielhallen und der Gastronomie. Danach folgten Spielbanken mit 9,56 Mrd. € und der Deutsche Lotto- und Totoblock (Lotto „6 aus 49“, Eurojackpot, Spiel77, Keno etc.) mit 7,28 Mrd. €.

Online-Casinoangebote (Automaten, Roulette, Poker etc.) waren im Jahr 2019 in Deutschland (außer in Schleswig-Holstein) illegal. Sportwetten (außer Oddset von Lotto) wiederum waren zu dieser Zeit lediglich geduldet, nicht aber erlaubt. Daher flossen diese Umsätze nicht die obige Aufstellung legaler Angebote ein.

Verluste von Glücksspieler*innen

Die Umsätze von Glücksspielanbietern entstehen direkt aus den Verlusten der Glücksspieler*innen. Allerdings sind Umsätze nicht gleichbedeutend mit den eigentlichen Verlusten. Bei der Berechnung des Umsatzes fließen nämlich auch die Summen mit ein, die Glücksspielende im Laufe einer Glücksspiel-Session zwischenzeitlich gewonnen und wieder eingesetzt haben. Der Verlust im engeren Sinne meint jedoch die Summe, die eine Person nach einer Glücksspiel-Session weniger besitzt als vorher. Diese Differenz wird auch als Bruttospieltrag bezeichnet.

Die Gesamtsumme dessen, was Menschen in Deutschland im Jahr 2019 bei legalen Glücksspielangeboten verloren haben, betrug laut Meyer (2021) 11,47 Mrd. €.2 Wie schon beim Umsatz entfiel auch hier der Großteil auf den Bereich der Geldspielgeräte in Spielhallen und der Gastronomie: Glücksspieler*innen haben im genannten Jahr an diesen Geräten insgesamt 5,90 Mrd. € verloren. Das waren rund 51 % aller Verluste im legalen Bereich. Mit deutlichem Abstand folgten der Deutsche Lotto- und Totoblock mit einem Bruttospielertrag von 3,69 Mrd. €. Danach kamen sonstige Lotterien (Klassenlotterien etc.) mit 0,98 Mrd. € sowie Spielbanken mit 0,86 Mrd. €. Pferdewetten machten mit 45 Mio. € nur einen sehr kleinen Anteil aus.

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt in diesem Zusammenhang besteht darin, dass laut BZgA-Studie (2020) lediglich 2,7 % der Bevölkerung (im Alter von 16-70 Jahren) in den 12 Monaten vor dieser Befragung mindestens einmal an einem solchen Gerät gespielt haben. Das heißt, eine sehr kleine Minderheit der Bevölkerung erlitt gut die Hälfte aller Verluste und das nur in diesem einen Segment des legalen Glücksspielmarktes. Dies legt nahe, dass ein großer Teil der Personen, die Geldspielgeräte nutzen, eine Glücksspielproblematik aufweist. Entsprechend zeigt eine Analyse von Fiedler (2016), dass zwischen 49 % und 74 % aller Glücksspielsüchtigen auf das sog. gewerbliche Automatenspiel entfallen.3 Auch werden dieser Untersuchung zufolge knapp 80 % des Bruttospielertrags an Geldspielgeräten durch Glücksspielsüchtige generiert.

Der Umfang des Bruttospielertrags auf dem illegalen/nicht-regulierten Markt im Jahr 2019 lag bei 2,21 Mrd. €.4 Der Großteil davon entfiel mit 1,29 Mrd. € auf Sportwetten, die seinerzeit – abgesehen von Oddset – nur geduldet waren (siehe oben). Bei Online-Casinoangeboten verloren die Menschen rund 0,51 Mrd. € und bei sog. Online-Zweitlotterien 0,35 Mrd. €. Der Anteil von Online-Poker war mit 56 Mio. € gering.

Steuern und Abgaben

Der Staat nimmt erhebliche Summen durch Steuern und Abgaben auf Glücksspiele ein. Im Jahr 2019 belief sich diese Zahl auf 5,41 Mrd. €. Für Viele überraschend ist, dass die staatlichen Einnahmen aus alkoholbezogenen Steuern deutlich darunter liegen, obwohl Deutschland ein Alkoholhochkonsumland ist. In 2019 Jahr betrugen diese Steuern 3,14 Mrd. €.

Die Kehrseite der Einnahmen durch Steuern und Abgaben auf Glücksspiele ist, dass sie erheblichen, durch Glücksspielangebote entstehenden volkswirtschaftlichen Kosten gegenüberstehen. Laut Fiedler (2016) gleichen die Einnahmen in keiner Weise die zahlreichen gesellschaftlichen Schäden aus, die durch Glücksspiele und Glücksspielsucht entstehen (z.B. Behandlungskosten, Beschaffungskriminalität, Produktivitätsverluste durch Personen mit einer Glückspielstörung, erhöhte Sozialtransfers, Geldwäsche, Wettbetrug).5 Nicht umsonst werden Glücksspiele als demeritorische Güter bezeichnet, also nicht verdienstvolle Güter, die gesellschaftliche Schäden verursachen und daher einer strengen staatlichen Regulierung bedürfen.


[1] Meyer, Gerhard (2021): Glücksspiel – Zahlen und Fakten. In: DHS (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2021, Lengerich: Pabst, S. 119-138.

[2] Ebda.

[3] Fiedler, Ingo (2016): Glücksspiele. Eine verhaltensökonomische Analyse mit rechtspolitischen Empfehlungen. Frankfurt am Main: Peter Lang.

[4] Meyer, Gerhard (2021): Glücksspiel – Zahlen und Fakten. In: DHS (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2021, Lengerich: Pabst, S. 119-138.

[5] Fiedler, Ingo (2016): Glücksspiele. Eine verhaltensökonomische Analyse mit rechtspolitischen Empfehlungen. Frankfurt am Main: Peter Lang.