Materialien |  Kampagne
 
 
Betroffene Erzählen
 

All die verlorenen Jahre

Zwanzig Jahre spielte Michael Jung an Geldspielgeräten und wurde dabei immer verschlossener. Schließlich fand eine Therapeutin Worte, die ihn berührten und den Weg aus seinem Gefängnis finden ließen.

Man kann alles vergessen, wenn man spielt. Der Automat spricht nicht mit mir, er macht nichts mit mir. Er lässt mich nur vergessen und abschalten. Ich wollte mit mir alleine sein. Nur für mich. Keine Probleme haben. Überhaupt keine.

Groschengräber hatte ich schon als Kind kennengelernt. Mein Opa schmiss ab und zu zehn Groschen in diese Kästen. Ich weiß noch, wie ich in der Gastwirtschaft auf seinem Arm saß und das beobachtet habe.

Richtig losgegangen ist es Anfang der 80er Jahre, da war ich 22. In meinem Wohnort machte die erste Spielhalle auf, aus Neugier bin ich rein. Ein Spiel kostete zwanzig Pfennig. Zwei Mark habe ich reingesteckt und 40 gewonnen. Es gab die ersten Geräte mit hundert Sonderspielen. Man spielte noch nicht so exzessiv, und es kam einem vor, als ob man gewinnt. Aber unter dem Strich war es Selbstbetrug. Man gaukelt sich vor, dass man den Automaten bezwingen kann. Also ich, ich erzähle ja über mich. Meist habe ich an zweien gleichzeitig gespielt. Kam eine Serie, habe ich noch einen dritten dazu genommen. Es war der Reiz, den Automaten zu überlisten. Den hochzudrücken. Der Kopf weiß relativ früh, dass das nicht machbar ist, aber die Sucht schießt dagegen. Das sind computergesteuerte Programme, mit Glück kriegt man hundert Euro raus, doch meistens fressen sie nur. Aber man denkt, zwei Wochen hat er nicht geschmissen, jetzt muss er doch. Stammgäste fragen die Bedienung: Hat der gestern geschmissen, als ich nicht da war?

Zuerst lief es nebenher, zwei-, dreimal im Monat. Nach einem halben Jahr wurde es öfter. Das ging vier, fünf Jahre so. Als das Geld knapp wurde, flog auf, dass ich gespielt hatte. Das führte zur ersten Krise in der Partnerschaft. Ich hatte mich verändert. Ich selbst habe das gar nicht gemerkt. Meine Frau sagte, ich will das nicht. Aber da war es schon zu spät. Es hatte sich verselbständigt, und ich musste dahin. Warum ich spielen gegangen bin, habe ich erst viel später in der Therapie begriffen.

Dann nahm ich einen Kredit auf, um die Schulden abstottern zu können. Gut, der Verdienst wurde auch besser. Aber man hatte nur das Nötigste zum Anziehen, Anschaffungen wurden verschoben, Autos auf Kredit gekauft. In der Beziehung kochte das Thema Spielen wieder hoch. Meine Frau merkte es immer. Aber wenn sie mich angesprochen hat, habe ich zugemacht. Ich konnte nicht. Null Konflikt. Kritik war nicht möglich, dann bin ich sofort los zum Spielen. Die Zeit dafür habe ich mir gestohlen: Hatte meine Frau was vor, bin ich auch los. Oder ich „musste noch was tun bei der Arbeit“. Das geht ja, mit Gleitzeit. Oder einen Arzttermin ausgedacht. Das hat sich bis viermal pro Woche gesteigert, fast jeden Nachmittag oder gleich mittags Feierabend gemacht und fünf Stunden gespielt. Hat die Zeit sehr gedrückt, blieb noch was im Portemonnaie, sonst ging das weg bis auf den letzten Cent.

Man denkt sich irgendwas aus, um Glück zu haben. Ich habe die 2-Euro-Stücke immer so geordnet, dass das Brandenburger Tor beim Einwerfen immer auf der Vorderseite war. Nützt nichts, aber man will sich was vormachen. Oder man drückt bei einem bestimmten Ton auf die Taste. Wenn ich jetzt darüber spreche, denke ich: Wie blöd war ich!

Wie mir zumute war? Beschissen. Alles, was ich an Problemen hatte, habe ich am Automaten gelassen. Mit Gefühlen konnte ich nicht umgehen. Und am Automaten brauchte ich das nicht. Na gut, wenn er nicht geschmissen hat, hab ich auch mit der Faust dagegen gehauen und Scheisse! gesagt, wenn die letzte Sonne zu einem Gewinn fehlte. Da waren Gefühle begrenzt möglich. Aber nur Ärger.

Ich habe mich schon vor Jahren bei der Sparkasse sperren lassen, kann kein Geld mehr abholen, habe keine Scheckkarte mehr. Aber vom Spielen hielt mich das nicht ab. Unsere Sparverträge konnte ich auch ohne meine Frau kündigen. Ein Sparbuch mit 2000 Mark war in drei Wochen leer. Dann habe ich von einer Arbeitskollegin Geld geliehen. Die wusste, wofür. Ich hab ihr gesagt, ich brauche das Geld, weil ich gespielt habe. Klar, damit bin ich wieder spielen gegangen.

Meiner Frau habe ich regelmäßig die Scheckkarte aus dem Portemonnaie geklaut. Sicher hat sie das gemerkt. Zuletzt hat sie keine Kontoauszüge mehr geholt, weil sie das nicht mehr sehen wollte. Die letzten beiden Jahre waren fürchterlich. Sie hätte gehen müssen. Oder mich rausschmeißen. Es gibt ja auch das Co-Spieler¬thema. Auch wenn sie es selber nicht weiß, unterstützt die Partnerin es oft. Vielleicht war meine Frau nicht rigoros genug. Vielleicht hätte sie sagen müssen: Ich stell dir jetzt den Koffer vor die Tür. Damit ich wach werde. Es wäre vielleicht ein Tritt gewesen. Oder ich wäre in der Gosse gelandet.

Bevor es geklappt hat mit dem Aufhören, hatte ich zwei halbherzige Anläufe hinter mir. Erst wollte ich eine Selbsthilfegruppe gründen mit einem, den ich aus der Spielhalle kannte. Viermal haben wir uns getroffen, dann bin ich nicht mehr hingegangen. Aber das Spielen hat sich weiter gesteigert. Mit einer Therapeutin habe ich auch gesprochen, aber die kam nicht an mich ran. Ich war noch nicht soweit.

Doch 2005 ging nichts mehr. Viele Süchtige denken mal, jetzt bringst du dich um. Ich hatte das einmal, als ich aus der Spielhalle rauskam: Jetzt fährst du gegen den Baum. Ich fühlte mich wie ein Dampfkessel kurz vorm Explodieren, war nur mies drauf, ging aber trotzdem spielen, denn das half ja kurzfristig. Aber ich wusste, dass ich Hilfe brauche. Ich hatte jetzt mehr als zwanzig Jahre gespielt. Im Frühsommer bin ich zu einer Beratungsstelle, und im September 2005 kam ich für 16 Wochen nach Gütersloh in die Bernhard-Salzmann-Klinik.

Die ersten Wochen in der Klinik lief ich so mit in den Gruppen, hatte auch Einzelgespräche, aber alles sehr oberflächlich. Das einzig Gute: ich war nicht am Automaten. Nach einem Monat wollte ich zur Geburtstagsfeier meines Vaters. Man kriegt erst nach sechs Wochen frei. Ich bin zu der Therapeutin, um das zu besprechen. Sie saß in ihrem Büro, und plötzlich sagt sie zu mir: „Sie laufen jetzt hier vier Wochen rum und kümmern sich um alle anderen, nur nicht um sich selbst.“ Da hatte sie mich ohne Deckung erwischt. Ich bin sofort zusammengebrochen, habe eine halbe Stunde nur geheult. Die hat mich richtig aufgebrochen. Von da an lief die Therapie. Wenn ich davon erzähle, kommen mir immer wieder die Tränen, auch jetzt. Ich hatte ja nie geweint. Das kannte ich gar nicht. Vielleicht mal eine Träne verdrückt in einer Ecke, wenn ich gespielt hatte, aber ansonsten keine Gefühle rausgelassen. Jetzt reicht eine komische Szene im Fernsehen, und ich hab Tränen in den Augen. An der Freude aber muss ich noch etwas arbeiten.

Weihnachten wurde ich aus der Klinik entlassen und habe noch ein Jahr ambulante Therapie gemacht. Ich bin offener geworden. Etwas. Aber ich bin nur begrenzt konfliktfähig meiner Frau gegenüber. Besonders schwer fällt mir zu sagen: ja, du hast recht, ich ändere mich. Früher habe ich jeden Konflikt vermieden. Bloß nicht drüber nachdenken. Jetzt kann ich wenigstens sagen: ‚Gestern Abend, tut mir leid, das war Scheiße. Lass uns darüber reden.’ Manchmal falle ich in alte Muster, mache völlig dicht. Dann fühle ich mich am anderen Tag beschissen.

So ist das eben, wenn man über vierzig Jahre lang gelernt hat, nichts von sich preiszugeben, weil man nicht angreifbar sein will. Meine Frau merkt das, sie kennt mich ja lange genug. Vielleicht hat sie dann Angst, dass ich wieder gespielt habe. Wenn ich öfter dicht mache, ist die Gefahr da. Ich muss aufpassen, dass es nicht rückwärts geht.

Meine Frau und ich sind schon lange zusammen. Wir haben uns 1978 kennengelernt, da war ich 19, sie wurde gerade 16. Am Anfang hatten wir eine Unterbrechung für drei Monate, dann habe ich sie zurückerobert. Seither sind wir zusammengeblieben. In unserem Bekanntenkreis sind wir das einzige Pärchen, das noch zusammen ist. Heutzutage ist es einfacher sich zu trennen als früher, vielleicht zu einfach. Aber ob das Zusammenbleiben früher immer richtig war, weiß man auch nicht. Meine Eltern feiern bald goldene Hochzeit, aber zusammengeblieben sind sie wohl nur meinetwegen. Ich bin ein „Sechs-Monats-Kind“, wegen mir haben sie 1959 geheiratet. Da war meine Mutter 18, mein Vater Anfang 20. Ich denke, sie waren überfordert. Sie waren sehr streng zu mir. Gegen die konnte ich mich nicht auflehnen. Lieber hab ich nichts gesagt, als noch mehr Ärger zu kriegen. Da habe ich gelernt, dass Gefühle zeigen nicht positiv ist. Meine Eltern lassen keinen an sich ran. Ich habe nie erlebt, dass sie miteinander Gespräche führten, also habe ich auch nicht mit ihnen gesprochen. Man passt nur auf, dass man nicht aneckt.

Ich bin mit Prügel groß geworden. Mit der Hand, mit Bügeln, mit allem, was greifbar war. Mein Vater ist gelernter Schmied, das reichte, wenn der zulangte. Und damit musste man immer rechnen. Wofür und warum gerade jetzt, haben sie nie erklärt. Einmal zu einem Freund ‚Arsch‘ gesagt, gab Stubenarrest. Einmal kam ich spät von meiner Oma zurück. Die Szene hab ich noch im Kopf: Im Ruhrgebiet war ja alles schwarz, ich lehnte zum Waschen über der Badewanne, und mein Vater verdrosch mich. Egal wohin. Das hat geblutet. Keiner sagte, wir haben uns Sorgen gemacht, wo du warst. Das versteht ja auch ein Fünfjähriger. Mit 16 nahmen sie mich von der Schule. Warum? Keine Ahnung. Ich musste mich nicht groß anstrengen und hätte gern Abitur gemacht. Aber mein Vater sagte: ‚Notendurchschnitt 3,3, das reicht nicht.‘

Opa und Oma waren der einzige Schutz. Die haben nicht geschlagen. Sie wohnten in der Nähe und waren einfach nur da. Meine erste Erinnerung ist an Opa und Oma. Ihre Wohnung. Küche und Toilette war ein Raum, nur durch den Vorhang getrennt. Meine Oma kochte, und ich saß auf Toilette. Nachkriegszeit. Wenn man da erst mal wohnte, wohnte man da. Mein Opa in seinem Garten, sein Schuppen, die Kaninchen – das sehe ich noch genau vor mir. An die Wohnungen, in denen ich mit meinen Eltern gewohnt habe, erinnere ich mich nicht. Als ich zehn war, nahm mein Vater einen Job in Süddeutschland an, und wir zogen weg. Wir sind öfter umgezogen. Einmal wohnten wir im dritten Stock. Mehr weiß ich nicht. An meine Eltern habe ich kaum schöne Erinnerungen. Mal ein Urlaub oder Gesellschaftsspiele mit meiner Mutter.

Meine Mutter hätte wohl gerne mehr Kinder gehabt. Auf der Couch in ihrem Wohnzimmer sitzen Puppen ohne Ende. Richtig teure Puppen, mit Kleid und haste nicht gesehen. Da schüttelt es mich. Sie hatten mal ein Pflegekind, als ich 13, 14 war. Ich hatte keine Probleme mit ihr. Aber warum sie da war und warum sie wieder abgegeben wurde, weiß ich nicht. Ich selbst wollte nie Kinder. Ich hatte immer Angst, dass ich werde wie meine Eltern. Wenn ich Kinder sehe, denke ich sofort: Das dürfte mein Kind nicht. Ich habe sofort eine Vorstellung von Regeln. Dabei weiß ich es eigentlich besser.

Weihnachten war immer Friede-Freude-Eierkuchen. Jahrelang mussten wir Heiligabend erst zu Schwiegermutter, dann zu meinen Eltern. Ersten Weihnachtstag hier essen, zweiten Weihnachtstag da. Einmal klappte die Kommunikation nicht, und wir kriegten Heiligabend bei beiden was zu essen. Heute hasse ich Weihnachtsbäume. Damit habe ich meiner Frau mal sehr wehgetan. Als ich am 30. Dezember aus der Therapie kam, wollte sie mir was Gutes tun und hat einen Weihnachtsbaum gekauft, weil wir jahrelang keinen hatten. Da stand der, und ich hab gesagt, was soll der Scheiß? Für mich war das abstoßend: Ein Weihnachtsbaum steht für all die falschen Gefühle. Wo meine echten Gefühle sind? In der Musik. Absolut. Joe Cocker, Madonna, Pink Floyd. Und Queen, „I want to break free“. Da kann ich meine Gefühle rauslassen, ganz intensiv, auch tanzen.

Einige unserer Bekannten wissen, dass ich gespielt habe. Nach der Therapie wollte ich es meinem Vater auch sagen. Es ist schwierig, mit ihm zu sprechen. Wenn wir zu Besuch sind, läuft der Fernseher, und mein Vater guckt da rein. Ich saß allein mit ihm da, und plötzlich konnte ich mit ihm reden, auch er hat was von sich preisgegeben. Aber dafür musste ich 47 Jahre alt werden.

Wenn es sich ergibt, will ich noch mal mit ihm sprechen. Mit meiner Mutter kann man nicht reden, die ist völlig auf sich bezogen. Die Wohnung wie im Möbelhaus, als ob da keiner wohnt. Jede Menge Allergien, aber immer am Putzen.

Seit der Therapie geht es mir eigentlich gut. Manchmal denke ich zu gut. Es juckt mich nicht mehr, wenn ich Spielhallen sehe. Ich habe keinen Drang, wie andere es schildern: Mensch, 50 Euro im Portemonnaie, kannst ja mal testen, ob du aufhören kannst! Trotzdem hatte ich drei Rückfälle. Einen gleich im Februar. Ich dachte, mich tritt ein Pferd. Ich hatte immer in Spielhallen gespielt und immer nüchtern. Aber diese beiden Rückfälle waren unter Alkohol in einer Kneipe. Völlig untypisch. Auf einer Dienstreise war ich abends mit Kollegen unterwegs. Damit habe ich keine Probleme, war jahrelang Betriebsrat, kann mich um andere kümmern. Wir waren zum Essen und dann noch auf ein Bier. Ein lustiger Abend. Dann hab ich mich ausgeklinkt: ‚Ich geh ins Hotel, bin müde.‘ Aber da hatte ich das schon geplant. Früher musste ich mir ja auch immer was ausdenken, wenn ich spielen wollte. Das muss ein Muster sein, ich weiß aber nicht den Punkt, wann das einsetzte. Nur, dass ich auf einmal losmusste, um zu spielen.

Ich bin sogar noch eine halbe Stunde durch die Gegend gelaufen, bis ich was Adäquates gefunden hatte zum Spielen. Dann hab ich eine Weile da gesessen, Bier getrunken und 60 oder 70 Euro verspielt. Aber das Gefühl war anders. Irgendwann hat es trotz des Nebels im Kopf klick gemacht, und ich dachte: Was tust Du eigentlich? Obwohl ich fast besoffen war, habe ich aufgehört. Am Morgen hab ich mich beschissen gefühlt, hatte Magenschmerzen, hab gezittert, ein Kater vom Spielen, nicht vom Alkohol. Es hätte schlimmer kommen können: Ich hatte einige hundert Euro für Reisekosten im Portemonnaie. Meiner Frau habe ich es gleich erzählt und meiner Therapeutin auch. Sie meinte, dann muss ich aufpassen, dass ich mit Alkohol nicht auch noch ein Problem kriege.

Ein halbes Jahr später lief es genauso. Und ein Jahr später noch mal. Vielleicht weil die Situation im Job unerträglich wurde. Einen ganzen Monat lang habe ich gespielt. Und wieder diese Lügen. Schrecklich. Meine Frau sagte, wenn es noch mal passiert, muss ich ausziehen.

Schon als die Nachsorge aufhörte, fehlte mir die Regelmäßigkeit, mich einmal in der Woche mit dem Thema zu beschäftigen. Damals habe ich aus Selbstschutz eine Selbsthilfegruppe gegründet. Es gab einen Artikel darüber im Tageblatt, Spieler riefen an. Wir treffen uns einmal die Woche für anderthalb Stunden. Im Moment ist es sehr locker, vielleicht zu locker. Eine Spielerin in der Gruppe ist noch voll dabei. An der kann ich mich wunderbar reiben. Sie packt den Absprung noch nicht. In großen Casinos hat sie sich sperren lassen, spielt aber in den kleinen. Sie meint, hinter Roulette stecke eine Logik. Ach so, sag ich, dann ist es ja ganz einfach, dann kannst du ja nur gewinnen. Aber sie verliert. Beim Roulette gibt es keine Logik. Wie beim Automatenspiel, auf Dauer kann man nicht gewinnen, höchstens mal Glück haben, setzt 10.000 auf Rot, und es kommt Rot. Dann hat man es verdoppelt. Aber bei Spielern ist das Spielgeld gleich wieder weg, weil sie dann 40.000 wollen. Vor Jahren gab es hier im Ort mal ein kleines privates Roulette, so eine Halbweltszene. Im Stockwerk darüber waren käufliche Damen. In diesem Roulette wurde ich in zwei Minuten 200 Mark los. Da bin ich nie wieder rein. Einarmige Banditen sind das Gleiche in Grün, die reizten mich auch nicht. So hatten sich diese Spiele zum Glück für mich erledigt. Es war immer nur der Automat, bei dem ich alles vergessen konnte. Schrecklich, denke ich immer: all diese verlorenen Jahre.

Im Moment hab ich kein Verlangen zu spielen. Doch Spieler bin ich bis zum Lebensende. Es ist abgespeichert im Kopf, man hat ein Suchtgedächtnis. Das muss man wissen, um dem aus dem Weg zu gehen. Ich weiß nun, dass ich es nicht locker nebenbei erledigen kann. Ich muss es ernstnehmen. Jetzt habe ich eine Psychotherapie angefangen und will mir meine Kindheit noch mal genau angucken. Ich glaube, das ist anstrengend. Und tut weh. Aber vielleicht ist es der einzige Weg.

Das Gespräch führte die Hamburger Journalistin und Autorin Ulla Fröhling

Das Gespräch führte die Hamburger Journalistin und Autorin Ulla Fröhling

 
 
 
  




Zur Onlineberatung TÜRKÇE ONLINE DANIŞMA
 
  NEUE VIDEOS:
Der Sucht ein Gesicht geben
  
  Videoclips mit Interviews von Glücksspielsüchtigen, Angehörigen und Experten. » mehr...
 
   MATERIALIEN:
   Materialien der Landeskoordinierungs- stelle:
Hier finden Sie Materialien zum Bestellen
mehr...
 
  
  Aktuelle Kampagne:
Hier finden Sie weiteres Material zum Bestellen. mehr...
  X